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Wolokolamsker Chaussee / Das Leben der Autos

von Heiner Müller / Ilja Ehrenburg

Regie: Lars-Ole Walburg

Im Anschluss Publikumsgespräch

Premiere: 01.10.2009

Do 18.03.10 | 19:30–21:50 | Schauspielhaus

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© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe© Katrin Ribbe

Es sähe nicht so aus, schrieb Vaclav Havel 1978, als ob die westlichen Demokratien ein Rezept zu bieten hätten, wie man sich grundsätzlich der Eigenbewegung der technischen Zivilisation, der Industrie- und Konsumgesellschaft widersetzen könne. Nur sei die Art, wie sie den Menschen manipulierten, unendlich feiner und raffinierter als die brutale Art des posttotalitären - sozialistischen - Systems. 

Im Herbst 1941, 2000 Kilometer vor Berlin und nur 120 vor Moskau - an der Wolokolamsker Chaussee - beginnt mit dem verzweifelten Versuch sowjetischer Soldaten, den Einmarsch der Wehrmacht zu stoppen, die Geschichte der DDR. Sie endet mit dem ebenso verzweifelten Versuch eines Vaters, die Ausreise des Sohnes in den Westen zu verhindern. In fünf exemplarischen Szenen - jede für sich eine eigenständige Tragödie - verhandelt Heiner Müller in wechselnden Konstellationen die grundsätzlichen Fragen politischen Handelns: Welche Opfer sind mit der Durchsetzung unserer Ziele verbunden? Wie wird das Ziel, das wir zu erreichen hoffen, durch jedes notwendige Opfer unseres Handelns korrumpiert? Er entwirft dabei ein historisches und gleichzeitig berührend persönliches Panorama des Scheiterns der DDR.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall konfrontiert Regisseur Lars-Ole Walburg Müllers Stück mit Ilja Ehrenburgs umfassender und verblüffend aktueller Biografie des totalen Erfolgs »Das Leben der Autos«. Der zwischen 1928 und 1935 entstandene Text zeigt aus unterschiedlichen Perspektiven – Fließband, Kautschukplantage, Ölfeld, Börse – den atemberaubenden Siegeszug einer Ware und das Panoptikum seiner entfesselten Produzenten. In beklemmender Weise spiegelt dieser Triumph die Unhaltbarkeit unserer gegenwärtigen Situation. Geht die Geschichte denn im Kreis? Stehen wir wieder am Anfang? Und wie weiter?

Der 1929 in Eppendorf geborene und 1995 in Berlin gestorbene Heiner Müller gehört zu den bedeutendsten deutschen Dramatikern des letzten Jahrhunderts. Nach dem Verbot seines Stückes »Die Umsiedlerin« und seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR 1961 arbeitete er als Theaterdramaturg und – zumeist unter Pseudonym – für Rundfunk und Fernsehen der DDR. Die Uraufführung seiner Stücke erfolgte in der Regel in der Bundesrepublik. Der 1891 in Kiew geborene und 1967 in Moskau gestorbene Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg gehörte als Schriftsteller und Journalist zu den profiliertesten Autoren der Sowjetunion. In Westdeutschland hat vor allem seine Tätigkeit als Propagandist im Zweiten Weltkrieg nachträglich zu heftigen Debatten und Ablehnung geführt. Sein zusammen mit Wassili Grossman herausgegebenes »Schwarzbuch« über die Vernichtung der sowjetischen Juden war die erste große Dokumentation der Shoah.

Pressestimmen

Regieteam

Regie Lars-Ole Walburg
Bühne Robert Schweer
Kostüme Moritz Müller
Dramaturgie Christian Tschirner

Besetzung

Rainer Frank
Sachiko Hara
Henning Hartmann
Camill Jammal
Daniel Nerlich
Sandro Tajouri

Termine

17.09.Fr 19:30Karten
08.10.Fr 19:30Karten

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